Kräuter- / Pflanzenbestimmung - Teil 1: Grundlagen und Bestimmungsbücher - Blog Markus Schrade - Kräuter- u. Naturwanderungen Markus Schrade

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Kräuter- / Pflanzenbestimmung - Teil 1: Grundlagen und Bestimmungsbücher

Kräuter- u. Naturwanderungen Markus Schrade

Wenn man Kräuter und Wildfrüchte sammeln bzw. Pflanzen generell zuordnen möchte, muss man diese natürlich erstmal bestimmen/identifizieren können. Denn was bringt es denn, wenn man über verschiedene tolle Wirkungen einer Pflanze bescheid weiß, dieser dann aber draußen nicht findet bzw. nicht sicher bestimmen kann ? Die Pflanzenbestimmung ist somit die Grundlage für alle weiteren Schritte. Jedoch wird diese Tatsache von vielen Kräuterinteressierten und zukünftigen Kräutersammlern oftmals außer Acht gelassen bzw. es wird der Thematik keine (so)wichtige Bedeutung beigemessen. Oder man nähert sich dem Thema mit ungünstigen Herangehensweisen.
Ein Beispiel hierfür wäre: Man kauft sich ein Kräuterbuch mit tollen Beschreibungen und ein paar netten Bildchen drin, ist dann total fasziniert & motiviert und möchte unbedingt diese Kräuter auch mal sammeln und probieren. Bis dahin ist das ja erstmal eine gute Sache. So weit, so gut. Aber dann geschieht sehr oft Folgendes: Man geht dann mit dem Buch in den Wald und versucht dann anhand der Bilder die gesuchte Pflanze zu finden, findet sie aber nicht. Dies gelingt meist nur im Einzefall bzw. bei Pflanzen, die zum einen extrem häufig sind und zum anderen sehr typische/individuelle Merkmale haben. Wenn dann das Auffinden der gesuchten Pflanze nicht gelinget, sind die Leute meistens entsprechend frustriert. Wobei dies nur die harmlose Variante wäre. Im Ernstfall wird ein Kraut falsch zugeordnet (was auch immer wieder vorkommt) und nach dem Verzehr erleidet man diverse Beschwerden bis hin zu lebensbedrohlichen Vergiftungen. Und nach solch einen Vorfall ist man erst Recht frustiert und verliert dann vielleicht sogar ganz das Interesse am Kräutersammeln.
Daher ist es essentiell, sich ernsthaft mit dem Thema Pflanzenbestimmung auseinander zu setzten ! Und nicht nur speziell in Bezug auf Kräuter sondern generell auf alle Pflanzen. Man muss ja auch die ungenießbaren und giftige Arten sicher erkennen können. Und zudem haben auch diese Arten ihre Faszination und Berechtigung.
Für die Bestimmung gibt es mehrere Möglichkeiten bzw. Kombinationen von diesen. Fangen wir mal mit den Büchern an.
Ich werde auch immer wieder auf das Thema (gute) Bestimmungsbücher angesprochen. Leider gibt es hierzu auf dem Markt sehr, sehr viele Bücher. Jedoch sind die meisten für die Pflanzenbestimmung nur bedingt oder gar nicht geeignet (,obwohl sie dies zum Teil suggerieren). Hierzu gehören leider auch viele der „Kräuterbücher“ und sogenannte Ratgeber usw. Bitte nicht falsch verstehen: Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen diese Bücher. Viele (nicht alle !) sind inhaltlich sehr gut. Aber leider für die Pflanzenbestimmung ziemlich ungeeignet.
Daher gebe ich nun hier Empfehlungen, die auf eigenen Erfahrungen beruhen, für verschiedene Werke heraus und erläutere diese auch entsprechend.( Bezugsquellen für Literatur gibt’s ganz am Ende des Beitrags)

"Grundkurs Pflanzenbestimmung" von Rita Lüder (8. Auflage)
Dieses Buch ist grundsätzlich für den Einstieg bzw. den Anfänger in verschiedener Hinsicht geeignet. Kernstück ist natürlich der Bestimmungsschlüssel, der auch einige Fotos und bei verschiedenen Pflanzen noch zusätzliche interessante Kurzinfos enthält. Dazu enthält das Buch noch Informationen über Systematik, Inhaltsstoffe (sekundäre Pflanzenstoffe), die typischen Charakteristika der jeweiigen Pflanzenfamilien und natürlich botanische Grundlagen bzw. den Aufbau der Pflanzen. Und diese Grundlagen sind wichtig. Denn ohne sie ist es schwierig, den Bestimmungsschlüssel anzuwenden, da man ansonsten die verwendeten Begriffe nicht versteht. Dementsprechend sollte man sich zunächst mit den Grundlagen und den dazugehörigen Begriffen etwas vertraut machen. (Es wird anfangs auch etwas gewöhnungsbedürftig sein, mit einem Bestimmungsschlüssel zu arbeiten).
Erwähnt werden muss an dieser Stelle auch noch, dass man für die Bestimmung mit diesem Schlüssel in der Regel blühende und zum Teil auch fruchtened Pflanzen benötigt. (Allerdings sind die meisten Bestimmungsschlüssel so aufgebaut.) Des Weiteren ist nicht die gesamte Flora Deutschlands, sondern nur die häufigsten Pflanzen enthalten. Aber für den Anfang reicht das allemal.

Ergänzend hierzu empfehle ich:

Rothmaler: Exkursionslora von Deustchland - Gefäßpflanzen: Atlasband (13. Auflage)
Hier der Text der Buchrückseite, der das Buch treffend beschreibt.:
“Im Rothmaler-Atlasband sind mehr als 3000 Habituszeichnungen von Wildpflanzen der Flora Deutschlands enthalten. Jede Pflanze ist wissenschaftlich exakt und maßstabsgetreu mit mehreren charakteristischen Details dargestellt. Pfeile weisen auf wichtige Unterscheidungsmerkmale zwischen ähnlichen Arten hin. Vegetative Merkmale, auch solche, die im Textband nicht beschrieben werden, erleichtern die Bestimmung im blütenlosen Zustand. Die genauen Wuchsformdarstellungen illustrieren die Möglichkeiten der vegetativen Vermehrung und Ausbreitung. Angaben zur Größe, Lebensform, Blütezeit und zum Naturschutz ergänzen die Abbildungen.
Für die 12. Auflage wurden mehr als 210 Pflanzenarten neu gezeichnet und weitere 60 bereits bestehende Zeichnungen ergänzt oder korrigiert. In der 13. Auflage wurden Fehler korrigiert und Details aktualisiert.
Die weitreichenden Änderungen im modernen System der Gefäßpflanzen erforderten eine neue Anordnung der Abbildungen und viele Umbenennungen, wie sie bereits für die 20. Auflage des Grundbandes (2011) umgesetzt wurden. Bisher gültige Namen der Familien, Gattungen und Arten wurden als Synonyme ins Register aufgenommen. Grundband und Atlasband des Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland entsprechen einander nun in der Benennung und Reihenfolge der Sippen.
Der Atlasband kann weiterhin selbständig zur Erkennung in Deutschland wild vorkommender Arten genutzt werden, ermöglicht aber auch die Kontrolle von Bestimmungen mit dem Grundband und bietet rasche Hilfe bei der Unterscheidung ähnlicher Arten.“

Das Wichtigste wurde hier schon beschrieben. Aber dennoch eine Anmerkung von mir: Dieses Buch ist alleinig für die Pflanzenbestimmung - zumindest für Anfänger - nicht geeignet. Es ist wie bereits erwähnt eine Ergänzung. Aber eine sehr gute. Man kann seine Ergebnisse oder Vermutungen vergleichen und überprüfen usw. Wenn man dann irgendwann soweit ist und Pflanzen sicher einer Familie oder Gattung zuordnen kann, kommt man meist nur mit diesem Buch aus, um die genaue Art zu bestimmen.

Wenn nach einer Weile ein gewisses Grundwissen vorhanden ist und viele Pflanzen im blühenden Zustand bestimmt werden können, kann man sich an die Bestimmung im vegetativen Zustand - also ohne Büten - heran machen. Im Folgenden hierzu 2 Bücher. Um die Länge dieses Blog-Beitrags nicht unnötig auszudehnen, fasse ich mich hier relativ kurz.

„Einführung in die Pflanzenbestimmung nach vegetativen Merkmalen“ von Wolfgang Licht
Enthält auch generell Grundsätzliches zur Botanik bzw. Pflanzenaufbau und viele wichtige Hinweise. Zudem sind viele Zeichnungen von Blättern verschiedener Arten, bei denen Verwechslungsgefahr besteht, vorhanden sowie vegetative Bestimmungsschlüssel. Sehr gutes Buch, dass auch gut parallel mit „Grundkurs Pflanzenbestimmung“ verwendet werden kann.

„Flora Vegetativa“ von Stefan Eggenberg u. Adrian Möhl (3. Auflage)
Dieses Buch entält die Schweizer Flora mit 2329 Arten. Ja, ihr habt richtig gelesen, der Schweiz. Jedoch kann man auch in Deutschland dieses Buch gut gebrauchen, da die meisten darin enthaltenen Arten auch bei uns vorkommen. (Natürlich fehlen Arten, die in speziellen Biotopen wie Küsten, Salzmarschen usw. vorkommen.)
Es sind gute Zeichnungen (wie im Rothmaler) zu allen Arten vorhanden sowie wichtige Hinweise, Tabellen und Teil-Bestimmungsschlüssel. Es wird konsequent auf Blüten verzichtet, sodass man sich auch wirklich auf die vegetativen Merkmale konzentriert. Fotos sind auch keine enthalten (wie im Rothmaler), was aber nicht weiter tragisch ist, da Fotos sehr variabel sind und oft nicht ans Ziel führen. Kurzum: Ein sehr gutes Buch, dass aber Grundlagenwissen voraussetzt und die Bereitschaft „etwas tiefer in die Tasche zu greifen“.

Es gibt natürlich noch diverse andere Bestimmungsbücher. Aber die genannten habe ich benutzt bzw. benutze sie noch. Sie haben sich bewährt und sowohl viele andere als auch ich haben damit gute Erfahrungen gemacht und daher empfehle ich sie hier weiter.
Bei all den Büchern sollte man nicht vergessen, dass diese nicht den „Außeneinsatz“ ersetzen können. Also so oft wie möglich raus gehen und neugierig und unvoreingenommen die Natur erkunden ! „Außeneinsatz“ und Studium der Literatur ergänzen sich gegenseitig.

Und noch ein Hinweis zur Pflanzenbestimmung am Schluss: Generell solltet ihr darauf achten, dass alle Teile der Pflanze mit möglichst allen Details betrachtet bzw. erfasst werden. Dies gilt vor allem dann, wenn ihr Fotos macht und anhand dieser im Nachhineim zu Hause die Pflanze bestimmen möchtet. So mache ich das übrigens oftmals auch. Gerade am Anfang kam es immer wieder mal vor, dass ich nicht daran gedacht hatte, bestimmte Details zu fotographieren. Zu Hause fehlten diese dann und ich kam mit der Bestimmung nicht weiter. Aber aus Fehlern lernt man :-)
Und es wird am Anfang auch immer wieder vorkommen, dass es nicht gelingt, eine Pflanze (sicher) zu bestimmen. Das ist ganz normal. Daher bitte nicht frustiert sein, sondern einfach (mit anderen Pflanzen) weiter machen. Wie heißt es doch so schön: Übung macht den Meister.

Solltet ihr noch Fragen haben, könnt ihr sie gerne im Kommentarfeld stellen. Ich werde sie zeitnah beantworten.
Ergänzende Infos über hilfreiche Websites zur Pflanzenbestimmung gibt es hier im zweiten Teil.

Bezugsquellen Literatur:
Bücher könnt ihr bei eurem Buchhändler vor Ort kaufen oder, falls dies nicht möglich sein sollte, bestellen bei: https://www.buch7.de



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